Blutungen

Blutungen sind die Komplikation der ersten 24-48 Stunden. Während der Distinktion der Gewebe müssen auch die Blutgefäße durchgeschnitten werden. Zuerst verschweißen wir sie bei zwei nahe beieinander liegenden Plätzen mit einer spezialisierten elektronischen Klemme (wir nennen das Koagulation, wir “schweißen” die Öffnung der Ader zusammen) und wir schneiden sie zwischen den Lötnähten durch und vermeiden so eine Blutung. Es kann aber vorkommen, dass kurz nach der Schließung der Wunde, im Krankensaal diese Adern sich wieder öffnen und Blutungen am Operationsfeld auftreten und einen Bluterguss verursachen. Ist die Blutung nur gering und der Bluterguss klein, schließt sich die Ader bald wieder und der Bluterguss verschwindet von selbst. Falls die Blutung schwer ist, kann sie Schwellungen und Spannungsgefühle hervorrufen. In solchen Fällen können wir nicht damit rechnen, dass sich die Adern von selber schließen. Deshalb muss man das Operationsgebiet wieder öffnen, das geronnene Blut entfernen und die Quelle der Blutung finden und schließen. Ein Bluterguss kann die Quelle von mehreren Problemen sein.

Der Druck der Blutung auf das Gewebe (falls die Blutung in geschlossenem Raum geschieht, drückt sie auf das Gewebe um sich herum) kann auch die Quelle von ernstzunehmenden Problemen sein, weil deshalb der Kreislauf belastet wird, Sauerstoff und Nährstoffe erreichen nicht, oder nur sehr schwer die Zellen, die Schlacken und Giftstoffen häufen sich an. Diese Prozesse verursachen Haut- und Gewebeabsterben. Wenn er nicht so groß ist, und es sich nicht lohnt, ihn zu entfernen, kann er dennoch eine Gefahrquelle bleiben, weil er einen guten Nährboden für Bakterien darstellt und somit Entzündungen und bei Brustimplantaten, Kapselbildung, verursachen kann. Öffnen wir die Wunde erneut, um den Bluterguss zu entfernen, verdoppeln wir das Risiko, da wir es jetzt mit noch einem operativen Eingriff zu tun haben.

Es gibt Grenzfälle, bei denen es schwer zu bestimmen ist, ob es für den Patient besser ist, den Bluterguss zu entfernen und damit die Risiko einer neuen Operation auf uns zu nehmen, oder ob wir besser abwarten sollen, ob der Bluterguss von selbst verschwindet, was auch ein Risikofaktor ist. Jetzt muss man abwägen, und sich für die Methode mit dem kleinsten Risiko entscheiden. Diese Entscheidung kann von Fall zu Fall sehr schwierig sein.